Klaus Mücke Ökoysteme
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aktualisiert am 12.03.2010                   Besucher seit dem 23.02.2005: by Hochzeit-Silberhochzeit.de

© liegt bei Klaus Mücke für Texte von Klaus Mücke, die unter Angabe der Quelle selbstverständlich zitiert werden dürfen.

Auf dieser Seite finden sich Gedanken und Anregungen zu aktuellen Themen und Erkenntnisse, die mir hilfreich erscheinen und kürzlich (wieder) eingefallen sind (siehe Selbstverständnis). Die Überschriften sind von mir formuliert – auch wenn andere Autor/inn/en zitiert werden.

 

Eine Meisterleistung, die Hochachtung verdient
Wenn jemand unter den einschränkenden und entwürdigenden Bedingungen von Hartz IV leben muss und es schafft, damit auch nur halbwegs zurechtzukommen, dann hat er meine uneingeschränkte Hochachtung. Fast kommt diese Überlebensleistung derjenigen von Menschen gleich, die obdachlos geworden sind und es schaffen, Jahre und Jahrzehnte auf der Straße zu überleben.
Potsdam, den 12.03.2010
Klaus Mücke

 

Ekel
Ekel bezüglich der Berührung oder auch nur Anwesenheit eines anderen Menschen weist wie kein anderes Gefühl daraufhin, dass Grenzen der Intimität als überschritten erlebt werden. Bedürfnisse nach Abgrenzung, Schutz und Wahrung der eigenen Autonomie werden von Gefühlen des Ekels aktiviert.
Potsdam, den 12.03.2010
Klaus Mücke

 

Der Weg zur Knechtschaft
Auf paradoxe Weise führt der sich absolut setzende Neoliberalismus genau zu dem, was er eigentlich hatte vermeiden wollen - zu Selbstversklavung und Knechtschaft. Indem sich die Menschen der - von allen guten Geistern - freien Marktwirtschaft unterwerfen, werden sie zu Sklaven und Gefangenen der über sie herrschenden Marktgesetze, die sie bedienen müssen. Der Titel von Hayeks Schrift "Der Weg zur Knechtschaft" könnte sich auf ganz und gar nicht intendierte Weise programmatisch erfüllen.
Potsdam, den 12.03.2010
Klaus Mücke

 

Mut und Narzissmus
Den Mut zu haben, sich mit den Realitäten zu konfrontieren, ist das beste Mittel gegen narzisstische Selbstüberschätzung.
Potsdam, den 12.03.2010
Klaus Mücke

 

"Nichts ist so praktisch wie eine gute Theorie."
Kurt Lewin (1890 – 1947)

 

Handeln und Erkennen
"Willst du erkennen, lerne zu handeln" schrieb einst Heinz von Foerster. Das könnte implizieren: "Willst du erkennen, lerne" und "Willst du erkennen, handle", also "Willst du erkennen, dann trage und anerkenne die Verantwortung für dein Tun".
Potsdam, den 10.03.2010
Klaus Mücke

 

Ungerechtigkeit und die Forderung nach ausgleichender Gerechtigkeit
Ungerecht ist die Welt, und gerade weil dem so ist, haben wir Menschen die Aufgabe, für ausgleichende Gerechtigkeit zu sorgen. Psychohygienisch ist es günstiger Täter als Opfer zu sein. Eigentlich müsste es umgekehrt sein. Der Täter kann sich sonnen im Rausch seiner Macht, im Erfolg seines Raubs und im Triumph seines Willens. Das Opfer aber fühlt sich beschmutzt, verletzt, seiner Würde und Unversehrtheit beraubt und leidet noch nach Jahren unter den Folgen der Tat. Umso mehr ist es unsere Pflicht im Nachhinein für ausgleichende Gerechtigkeit zu sorgen, auf dass die Tat zur Schmach und Schande wird und das Opfer Genugtuung erfährt.
Potsdam, den 10.03.2010
Klaus Mücke

 

Gewissen
Gewissen kommt von Ge-Wissen, dem gemeinsamen Wissen - zumindest scheint der lateinische Begriff "con-scientia" (Mit-Wissen) auf diese Bedeutung  hinzuweisen. Das Gewissen entsteht also durch die Übernahme des Wissens, um die in einem Gemeinwesen geltenden Regeln, Ge- und Verbote, die von allen gewusst und anerkannt werden (sollen).
Potsdam, den 10.03.2010
Klaus Mücke

 

Sich ent-schuldigen
Nichts ist so widersinnig wie die Aussage: "Ich entschuldige mich." Denn das hieße ja, dass man sich selbst von einer Schuld freisprechen könne. Nur wenn man keine Schuld auf sich geladen hat, kann man sagen: "Ich entschuldige mich." "Bitte entschuldigen Sie mich", entspricht eher den Beziehungsrealitäten, weil ja nur derjenige, dem ich etwas schuldig bin, mich aus dieser Schuld entlassen kann. Allerdings habe ich kein Recht darauf, die Forderung zu stellen, von Schuld freigesprochen zu werden, insofern ist diese Forderung nicht legitim. Man muss den Verdacht hegen, dass zumindest die deutsche Sprache Täter/innen bevorzugt, weil sie es ermöglicht, dass sie nach begangener Tat sich entweder selbst ent-schulden oder fordern können, von anderen ent-schuldet zu werden. Eigenartig.
Potsdam, den 10.03.2010
Klaus Mücke

 

Absichtslosigkeit
Fragen:

Erst wenn eine Frage absichtslos gestellt wird, handelt es sich um eine wirkliche Frage - andernfalls haben wir es mit einer Aussage (einer rhetorischen Frage) oder eine Aufforderung zu tun.
Wertschätzung:
Von Wertschätzung kann erst dann gesprochen werden, wenn sie absichtslos geschenkt wird.
Potsdam, den 9.3.2010
Klaus Mücke

 

Mittelschicht und soziale Gerechtigkeit
Solange sich die Mittelschicht an der Oberschicht orientiert und sich von der Unterschicht distanziert, bleibt die soziale Gerechtigkeit auf der Strecke und der Sozialstaat in Gefahr bzw. unerreichbar.
Potsdam, den 25.02.2010
Klaus Mücke

 

Leistung oder Beziehung?
Wo Leistung draufsteht, steckt oft Beziehung drin.
Potsdam, den 25.02.2010
Klaus Mücke

 

Beobachtung 3. Ordnung
Man kann sich bei der Beobachtung der Selbstbeobachtung beobachten.
Potsdam, den 25.02.2010
Klaus Mücke

 

Zur Unantastbarkeit nationalstaatlicher Souveränität
Die Zukunft und wird zeigen, dass die größte Gefahr für die Souveränität, ja für die Existenz eines Staates gerade von der Doktrin unantastbarer staatlicher Souveränität ausgeht. Wollen Staaten langfristig überleben, müssen sie einen Teil ihrer Souveränität an übergeordnete globale Institutionen abgeben. Kein Staat der Welt dürfte in diesem Sinne souverän über Atom- bzw. Massenvernichtungswaffen verfügen. Die Verfügungsgewalt über diese Waffensysteme müsste zumindest in die Hände der UNO gelegt werden. Andernfalls werden fast alle Länder nach solchen Massenvernichtungswaffen streben und damit alle anderen in ihrer Souveränität ja Existenz bedrohen.
Potsdam, den 12.02.2010
Klaus Mücke

 

Sozialrassismus und Hartz IV
Verfolgt man die Statements vieler Politiker zu Hartz IV, muss man unweigerlich den Eindruck bekommen, dass das gesellschaftliche Problem "Arbeitslosigkeit" negiert wird und stattdessen die Arbeitslosen zum Problem deklariert werden. Man könnte meinen, dass für jeden Arbeitsmöglichkeiten in Hülle und Fülle vorhanden sind und die Leute nur zu bequem seien, sie auch wahrzunehmen. Was für eine infame Verkennung gesellschaftlicher Realitäten? Was für eine Verhöhnung von Menschen, denen es finanziell schlecht geht und deren Menschenwürde auf den Arbeitsämtern, die  gemäß Orwell'scher Neusprache in Arbeitsagenturen umbenannt wurden, immer wieder verletzt wird und die wie ungehorsame Kinder durch Reduzierung oder Entzug lebensnotwendiger Leistungen gegängelt und gemaßregelt werden. Wie groß muss das Defizit an Empathie, wie groß die Herzlosigkeit sein, um Menschen, die schon am Boden liegen, zumindest verbal noch mit Füßen zu treten. Wann wird diese Form des Sozialrassismus endlich in seine Schranken verwiesen?
Potsdam, den 12.02.2010
Klaus Mücke

 

Der erbbiologische Diskurs der Medizin 2
Was müssen Sie tun bzw. wie müssen Sie sich zeigen, damit Sie bei psychischen Problemen eine schwere psychische Krankheit infolge einer genetischen Disposition diagnostiziert bekommen? Wenn Sie darüber sprechen, wie es zu Ihren Problemen kam und Bedingungen und Gründe ihrer psychischen Symptome benennen, dann haben Sie große Chancen, dass diese von medizinischer Seite als bloß reaktiv oder neurotisch gedeutet werden. Berichten Sie dagegen nichts über mögliche Hintergründe ihrer Stimmungslage, dann laufen Sie Gefahr, dass als Grund Ihrer Probleme eine - im Wesentlichen als erblich bedingt konstruierte - Psychose unterstellt wird und sie dementsprechend mit Psychopharmaka behandelt werden.
Auch hier wird von Kommunikation direkt und unmittelbar auf Erbanlagen bzw. erbliche Veranlagung (genetische Disposition) geschlossen: Wird kommuniziert, werden psychische Symptome von der Medizin als reaktiv wahrgenommen. Wird nicht kommuniziert, werden Erbanlagen als Begründung für nicht selbstverständlich erwartetes Verhalten oder Erleben postuliert.
Potsdam, den 12.02.2010
Klaus Mücke

 

Der erbbiologische Diskurs der Medizin 1
Was muss man tun, um eine genetische Veranlagung für eine bestimmte Krankheit diagnostiziert zu bekommen? Man muss sagen, dass die eigenen Eltern oder andere nahestehende Verwandte ebenfalls eine solche Krankheit hatten. In kaum zu überbietender Kurzschlüssigkeit wird so von einem Kommunikationsbeitrag direkt auf Erbanlagen geschlossen.
Zur Bestätigung der These, dass schizophren sich  zeigende Menschen über eine genetisch bedingte höhere Verletzlichkeit verfügen, führte der Chefarzt einer Kinder- und Jugendpsychiatrie das Argument an, die Betroffenen sagten doch selbst, sie seien verletzlich. 
Es lässt sich vermuten, dass diese erbbiologische Wirklichkeitskonstruktion im rassehygienischen Diskurs des 19. Jahrhunderts seine Wurzeln hat, der im Rassenwahn der Nationalsozialisten gipfelte.
Potsdam, den 23.01.2010

 

Statistiker
"Was sagt ein Statistiker, der mit dem Kopf im heißen Backofen und mit den Füßen im Gefrierschrank liegt?"
"Im Durchschnitt angenehm warm."

 

Bildungspolitisches Kastensystem - das real existierende Modell der Bildungsrepublik Deutschland!?
"Wenn in meinem Dorf ein Kind geboren wird, kann ich seinen Schulabschluss vorhersagen; bisher lag meine Trefferquote bei hundert Prozent. Architekt am Park: Abitur. Alkoholiker im Plattenbau: Sonderschule" (Karin Schädler in der taz vom 31.12.2009, S. 5).

 

Herr und Knecht - die oberen Einkommensbezieher tragen, nein haben das Meiste
"Ganze 10 Prozent der Steuerzahler bringen mehr als die Hälfte (55 Prozent, um genau zu sein) der Einkommenssteuer auf. Und wenn man die Verteilung unter den Spitzenverdienern betrachtet, so fällt auf, dass gerade einmal 1 Prozent der Steuerzahler ganze 22,2 Prozent der Einkommensteuer entrichten. Die Leistung des „kleinen Mannes“ zum Steueraufkommen ist verhältnismäßig gering. Rund 50 Prozent der Steuerzahler sind mit ihren Steuerzahlungen für gerade einmal 5 Prozent des Steueraufkommens verantwortlich" (Geld und Finanzen: Verteilung des Steueraufkommens vom 27.02.2008; http://www.geldpro.de/verteilung-des-steueraufkommens/id/231/).
Das Argument zielt darauf, dass die oberen und obersten Einkommensgruppen ja den Löwenanteil der Einkommensteuer tragen, damit anscheinend den größten sozialen Beitrag leisten und deswegen von höheren Steuern verschont werden müssen. Dieses Argument ist an Perfidie nicht mehr zu überbieten; denn diese Verteilung macht doch nichts anderes sichtbar, als dass
50 % der Bevölkerung mehr oder weniger zu den Habenichtsen zählen und die oberen 10 Prozent den meisten Reichtum auf sich vereinen. Man wirft dem Knecht vor, nichts zu haben und lobt den Herrn, der alles an sich gerissen und für die Armut des Knechts verantwortlich ist, dass er den Knecht durchfüttert und im Stall schlafen lässt. Was für eine hanebüchene Verkehrung der Perspektive auf soziale Gerechtigkeit und soziale Werte und Normen.
Potsdam, den 05.12.2010
Klaus Mücke

 

Zweierlei Gettos
Geht die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter auseinander, werden beide in Gettos leben müssen: Die einen aus Armut schutzlos, die anderen aus Angst geschützt. Für niemanden kann so eine Entwicklung wünschenswert sein.
Potsam, den 22.12.2009
Klaus Mücke

 

Neoliberalismus als Religion
Der Neoliberalismus hat mehr Ähnlichkeiten mit einer Religion als mit einer ökonomischen Theorie, sonst wäre er spätestens nach Beginn der Finanzkrise als falsch, weil unter anderen ökonomisch stringent zu Krisen führend verworfen worden.
Potsdam, den 22.12.2009
Klaus Mücke

 

Neoliberalismus, öffentliche Meinung und die These von der Verschwörungstheorie
Der Neoliberalismus scheint eine ökonomische Ideologie mit religiösen Zügen zu sein, dessen Gott der absolut freie und deregulierte Markt ist, dem sich alle Menschen gleichermaßen zu unterwerfen haben. Er versucht, den Staat und seinen Einfluss auf das Marktgeschehen zu schwächen und in seine Dienste zu stellen, um den Vermögenden über eine entsprechende Steuerpolitik möglichst wenig Lasten aufzubürden. Soziale Gerechtigkeit, Chancen-Gleichheit und Bürger-Solidarität werden geopfert, um vor allem die Profitmaximierung an der sogenannten Spitze der Gesellschaft zu steigern.
Geldadel, Wirtschaftsmagnaten und Manager-Eliten haben ihren Einfluss genutzt, um diese Ideologie in den entsprechenden Massenmedien, von denen sich die Mehrzahl direkt oder indirekt über Stiftungen in ihrem Besitz befinden, zu verbreiten und als öffentliche Meinung erscheinen zu lassen.
Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern eine logische Konsequenz der Konzentration wirtschaftlicher, politischer und meinungsbildender Macht, in den Händen weniger. Sehr deutlich zeigen sich diese Zusammenhänge in Italien, wo Berlusconi erst aufgrund seiner Medienmacht zum Ministerpräsidenten werden konnte.
Wenn diese doch ziemlich einfachen und offensichtlichen Zusammenhänge beschrieben und benannt werden, kann man regelmäßig damit rechnen, dass man von den entsprechenden Meinungsmachern als Verschwörungstheoretiker diffamiert wird - fast könnte man an eine Verschwörung glauben.
Potsdam, den 22.12.2009
Klaus Mücke

 

Sich-selbst-treu-Sein und Vertrauen
Die Voraussetzung, um anderen Menschen zu vertrauen, besteht darin, sich selbst treu zu sein.
Potsdam, den 21.12.2009
Klaus Mücke

 

Wes' Brot ich ess, des' Lied ich sing
Sprichwort

 

Mentalisierungsdefizit des Neoliberalismus
Profitmaximierung, Entlastung Vermögender, Privatisierung, Mitleidlosigkeit und Verachtung gegenüber ärmeren oder mittellosen Menschen, die als Leistungsversager wahrgenommen werden, wohingegen Vermögende als Leistungsträger angesehen werden, Entsolidarisierungsprozesse, Diffamierung und Herabsetzung der Menschen, die soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit einfordern, als Gutmenschen (früher: Weltverbesserer) und Neider (Stichwort: Neiddebatte), all das (und noch viel mehr) sind Kennzeichen des Neoliberalismus, der nur möglich ist, aufgrund eines offensichtlichen Mentalisierungsdefizits - also eines Mangels der menschlichsten aller Kompetenzen, der Empathie und des Mitgefühls -  seiner finanzkräftigen und deswegen mächtigen Vertreter/innen und Propagandist/inn/en, die infolge ihres direkten und indirekten Einflusses auf die Massenmedien die öffentliche Meinung dominieren.
Potsdam, 19.12.2009
Klaus Mücke

 

Sittenwidrige Löhne und Sozialschmarotzer
Sittenwidrige Löhne gibt es sowohl an der unteren als auch an der oberen Einkommenskala. Wenn der Staat Banken durch Stützungen in Milliardenhöhe vor der Insolvenz bewahrt und anschließend sich die Bank-Manager durch diese Gelder Boni auszahlen, dann entsteht dadurch ein viel größerer gesellschaftlicher Schaden als durch die lächerlichen Beträge, die man als Hartz IV - Empfänger vielleicht mit Hilfe von falschen Angaben erschleichen kann und die einem noch immer kein menschenwürdiges Leben erlauben.
Potsdam, 06.01.2010
Klaus Mücke

 

 

Täter-Introjekt!?
Als ich mich mit dem Thema "Trauma bzw. Missbrauch" auseinandergesetzt habe, fand ich das Konstrukt "Täter-Introjekt" einfach nicht besonders hilfreich, es hat bei mir Assoziationen ausgelöst, dass da etwas feindseliges in der Psyche lauert oder im Gehirn, das man nur rausschneiden kann. Diese Form der Konstruktion unterstützt damit ein gewalttätiges Verhältnis zu sich selbst bzw. zu dem feindlich erlebten "Täter-Introjekt", d.h. die Gefahr, dass das Konstrukt "Täter-Introjekt" zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung führt, ist sehr groß.
Günstiger und hilfreicher finde ich die Konstruktion, dass der vielleicht zunächst destruktiv und feindselig erlebte Impuls, sich selbst zu verletzen, oder das unbewusst wirksame Streben, sich in gefährliche missbrauchende Beziehungen zu begeben, in seinem als "wahr" konstruierten Kern auf etwas Positives hinweisen will, dann muss ich das nicht mehr feindselig in mir erleben, sondern kann mich fragen: "Was will oder könnte mir das an hilfreichen Hinweisen sagen?" und ich könnte dann mögliche Antworten dafür nutzen, um vielleicht liebevoller oder schützender auf mich zu achten.
Potsdam, den 16.12.2009
Klaus Mücke

 

Mehr nutzen als schaden
Wenn man sich die Zielrichtung der Klimakonferenz in Kopenhagen anschaut, also die globale Klimaerwärmung nicht über 2° Celsius steigen zu lassen, könnte man meinen, es sei ein Erfolg, weniger zu schaden. Was für ein eigenartiges - um nicht zu sagen wahnsinniges - Erfolgskriterium und das in einer vom neoliberalen Leistungs- und Profitmaximierungs-Streben dominierten Welt. Worum es individuell, gesellschaftlich und global nur gehen kann, wenn wir überleben wollen, drückt sich in dem Grundsatz aus, dass unsere Lebensäußerungen in ihrer Summe bzw. in ihrem Produkt mehr nutzen als schaden müssen.
Potsdam, den 08.12.2009
Klaus Mücke

 

Die vornehmste Aufgabe eines Staates und seine größte Legitimation nach außen
besteht darin, sich als Teil der Staatengemeinschaft zu verstehen und seinen Teil zum Gesamtwohl aller Menschen beizutragen.
Potsdam, den 06.01.2010
Klaus Mücke

 

Die vornehmste Aufgabe eines Staates und seine größte Legitimation nach innen
besteht darin, durch entsprechende Regulierung für einen größtmöglichen Ausgleich zwischen den Menschen zu sorgen, um für alle Bevölkerungsgruppen vergleichbare Entwicklungschancen zu realisieren. Der neoliberale Staat mag das theoretisch postulieren, versagt jedoch umso kläglicher in der Praxis.
Potsdam, den 06.01.2010
Klaus Mücke

 

Jede Mitteilung ist eine Mit-Teilung
Immer wenn wir  anderen etwas (von uns) mitteilen, teilen wir mit ihnen. Je nachdem, was wir mit-zu-teilen haben, können wir den anderen und uns damit ein Geschenk machen. Kommunikation impliziert deswegen immer auch eine Gabe.
Potsdam, den 26.11. und 08.12.2009
Klaus Mücke

 

Wer hat, dem wird gegeben!
Elitedenken
und die entsprechende Eliteförderung teilen Menschen in sog. leistungsstarke und leistungsschwache bzw. sog. hoch- und minderbegabte. Das führt zu einer Eskalationsspirale sozialer Ungerechtigkeit:
    ● Menschen mit einem entsprechenden sozialen Hintergrund werden bevorzugt,
    ● während Menschen, die schlechte Startbedingungen haben, als nicht                
        förderungswürdig fallen gelassen werden, um später als billige Arbeitskräfte das
        Leben dieser Eliten auf sehr praktische Art und Weise zu erleichtern oder als
        abschreckende Beispiele dienen, welche die Angst vor dem sozialen Abstieg
        schüren.
Im Kern ist Eliteförderung und das dahinterstehende Elitedenken – gelinde gesagt – sozialdarwinistisch, ungeschminkt muss man es als rassistisch bezeichnen.
Potsdam, den 22.11.2009
Klaus Mücke

 

Neoliberales Kalkül und die Finanz- und Wirtschaftskrise
Zur Erinnerung: Für absolute Spitzenverdiener gab es in den USA von 1951 bis 1963 eine Besteuerungsrate von 91% bis 92%. Seit 2003 bis heute wird das Einkommen dieser Spitzenverdiener nurmehr mit 35% versteuert. Seit der Neoliberalismus die Politik in den westlichen Ländern bestimmte, wurden kontinuierlich die Reichen und Superreichen steuerlich entlastet und mehr und mehr aus ihrer Verantwortung für die allgemeine gesellschaftliche Prosperität entlassen. Die mittleren und unteren Einkommen wurden in dem gleichen Zeitraum dafür überproportional - auch in Folge der kalten Progression - und kontinuierlich mehr steuerlich belastet. Ich frage mich, wie es kommt, dass es keinen Aufschrei jener  Millionen Menschen gibt, denen immer weniger Mittel für die Führung ihres Lebens bleibt, selbst wenn sie noch so gute Posten bzw. unternehmerische Ideen haben.

Und ich frage mich, was die Reichen und Superreichen mit den Millionen und Abermillionen gemacht haben, die sie an Steuergeschenken in den letzten Jahren erhalten haben. Sehr wahrscheinlich haben sie - und das ist ihnen ja auch gar nicht zu verdenken - versucht, dieses Geld möglichst gewinnbringend anzulegen, um entsprechend hohe Renditen zu erzielen. Und war dieses Vorgehen und die enormen Spekulationsgewinne der letzten Jahre nicht mit dafür verantwortlich, dass es zu zur heutigen Finanzkrise kam? Die westlichen Staaten haben sich während der neoliberalen Ära von dem Prinzip des Ausgleichs unterschiedlicher sozialer Chancen - der Herstellung einer wenigstens annähernd so zu nennenden ausgleichenden Gerechtigkeit verabschiedet.  Warum weist eigentlich kaum einer auf diese Zusammenhänge hin? Wie kommt es, dass stattdessen Menschen, die mitunter auch aufgrund dieses ungerechten Steuersystems in Armut und von staatlichen Hilfen leben müssen, schikaniert und bei einem unterstellten Missbrauch staatlicher Leistungen sofort besonders von bestimmten Massenmedien an den Pranger gestellt werden, während der eigentliche Skandal - die enorme Umschichtung des Reichtums von unten nach oben - kaum thematisiert wird?

Noch eine Anmerkung: Ich gebe es zu, gerne wäre ich auch zumindest reich, superreich möchte ich nicht sein, weil mir das zu große soziale Kosten verursachen würde - aber manchmal kann man sich das auch nicht aussuchen. Es geht mir hier nicht darum, ein Feindbild aufzubauen, sondern die gesellschaftlichen Unterschiede und die Vergrößerung der Schere zwischen Arm und Reich deutlich zu machen.

Mittlerweile haben ja auch einige der Millionäre diese Schieflage erkannt. Sie fordern in ihrem Appell für eine Vermögensabgabe folgendes:
"Wir, die wir durch Erbschaft, Arbeit, erfolgreiches Unternehmertum oder Kapitalanlage zu einem Vermögen gekommen sind, fordern, dass alle Wohlhabenden an den Kosten zur Abfederung der Krise und für ein Zukunfts-Investitionsprogramm beteiligt werden. Menschen mit einem Vermögen von über 5oo.000 Euro müssen mit einer auf zwei Jahre befristeten Vermögensabgabe in Höhe von jeweils 5 Prozent in die Pflicht genommen werden. Diese sollte danach in eine Vermögensteuer in Höhe von mindestens 1 Prozent überführt werden.
Die Steuermilliarden der bisherigen Konjunkturprogramme finanzieren viel zu wenig nachhaltige Investitionen, sondern subventionieren etwa den Neukauf spritfressender Autos oder den Straßenbau. Die Vermögensabgabe soll hingegen gezielt in den ökologischen Umbau der Wirtschaft, in Personal für Eildungs-, Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen sowie in die Erhöhung von Transfereinkommen investiert werden" (www.appell-vermoegensabgabe.de/index.php5?show=appell).
Potsdam, den 15.11.2009
Klaus Mücke

 

Unabhängiger Journalismus unter Bedingungen interessengeleiteter und kapitalabhängiger Massenmedien - wie soll das möglich sein?
Potsdam, den 14.11.2009
Klaus Mücke

 

Strukturelle Gewalt - ein vergessenes und umso not-wendigeres Konzept
Dass die Gesellschaft aufgrund wirtschaftlicher Verwertungsinteressen die Kindheit unserer Kinder und die Jugend unserer Jugendlichen stiehlt, ist strukturelle Gewalt. Potsdam, den 14.11.2009
Klaus Mücke

 

Über die  Zurichtung des Menschen im Turbo-Kapitalismus
Die Menschen scheinen einer fremden Macht hilflos ausgeliefert zu sein, denen sie sich bedingungslos unterzuordnen haben. Diese Macht heißt ökonomischer Sachzwang, der unaufhörlich zu fordern scheint: "Du bist für die Wirtschaft da und nicht etwa die Wirtschaft für Dich. Und Deine Aufgabe besteht darin, das Wirtschaftswachstum ständig zu mehren (das uns auf einem begrenzten Planeten garantiert umbringen wird)." Deswegen müssen Schüler/innen, Auszubildende und Student/inn/en immer schneller, effektiver und kostengünstiger lernen. Sie dürfen nicht mehr frei über ihre Zeit verfügen, sondern müssen sich Einfügen in einen reibungslosen Lernbetrieb, der eigenständiges Denken zu einem extrem unwahrscheinlichen Ereignis macht.
Potsdam, den 11.11.2009
Klaus Mücke

 

Der wichtigste Mensch für einen anderen
Jeder Mensch braucht einen anderen Menschen, für den er der wichtigste Mensch auf der Welt ist.
Potsdam, den 04.11.2009
Klaus Mücke

 

Die heimliche oder kalte Progression und der neoliberale Steuer-Wahnsinn
Aufgrund einer Inflationsrate von durchschnittlich ca. 2 bis 3% kommt es zu einer
beständigen Geldentwertung. Bleibt die Steuerbelastung für eine bestimmte nominale Geldmenge gleich, dann erhöht sich die Steuerabgabe um genau diese Inflationsrate für den entsprechenden Geldwert - also der Kaufkraft einer bestimmten nominalen Geldmenge. Im Jahre 1952 hatte eine Geldmenge von sagen wir 20.000,00 DM aufgrund der Inflation einen Geldwert der heute etwa 84.000,00 DM entspricht. Wird nun 1952 diese Geldmenge mit einem bestimmten Steuersatz besteuert, zum Beispiel mit 20% (leider kenne ich den Steuersatz von 1952 nicht) dann musste man bei 20.000,00 DM 4.000,00 DM an Steuern abführen. Das heißt nun aber, dass über die Jahre die unteren und mittleren Einkommen immer stärker belastet werden, wenn es für die Inflation keine entsprechende Anpassung gibt, denn heute werden dann 10.225.84 €  (entsprechend  20.000,00 DM) so belastet, als hätten sie einen Geldwert von 42.948.52 €  (entsprechend 84.000,00 DM).

1958 lag der Spitzensteuerersatz bei 56.262,00 €, berücksichtigt man die Inflation entspricht das heute 219.212,00 €. Gegenwärtig wird der Spitzensteuersatz bereits ab 52.152 Euro fällig. Würden für das Jahr 1958 heutige Maßstäbe angelegt, läge der Spitzensteuersatz damals bei 13.385,11 €. Fazit: Früher zahlten wirkliche Spitzenverdiener auch den Spitzensteuersatz, heute dagegen zahlen den Spitzensteuersatz bereits Durchschnittsverdiener.

Geht diese Entwicklung unkorrigiert weiter, dann werden in relativ absehbarer Zukunft Hartz IV Empfänger mit dem Spitzensteuersatz besteuert werden - eben weil die gleiche Geldmenge einen aufgrund der Inflation entsprechend geringeren Geldwert hat - die Wirtschaftswissenschaftler nennen das heimliche oder kalte Progression.

Neben dieser Entwicklung wurden gleichzeitig die Spitzensteuersätze der Reichen und Superreichen immer mehr reduziert von 56% auf jetzt 42% (bzw. 45%).

Resultat dieser Steuerpolitik: Die unteren und mittleren Einkommen finanzieren in einem nicht unerheblichen Umfang die Beschleunigung des Zugewinns des Reichtums der Reichen und Superreichen.

Deswegen: Liebe Politiker/innen sorgen Sie dafür, dass dieser Wahn-Sinn aufhört, indem Sie die steuerliche Belastung inflationsbereinigen und die Steuerabgabe nach dem Geldwert und nicht nach der nominalen Geldmenge bemessen. Eine Erhöhung der Spitzensteuersätze müsste dann entsprechend der Devise "Eigentum und doch wohl auch Reichtum verpflichtet" durchgeführt werden, so dass Spitzensteuersätze progressiv ab eines bestimmten Geldwerts von heute etwa 300.000,00 € jährlichem Nettoverdienst 56% bis 65% ab eines Nettoverdienstes von 500.000,00 € zu berechnen wären. Zudem müsste die Vermögenssteuer ab eines Privat-Vermögens von 500.000,00 € und eines Betriebsvermögens von 3.000.000,00 € wieder eingeführt werden - wie es beispielsweise die Initiative Vermögender für eine Vermögensabgabe fordert.
Potsdam, den 10.11.2009
Klaus Mücke

 

Doktorwürde für freie Geister?!
Kein Wunder, dass Professoren bestochen werden, damit Akademiker/inn/en, die promovieren möchten, einen Doktorvater bzw. eine Doktormutter finden. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwierig es ist, ohne entsprechendes Vitamin B - also ohne eine entsprechende Beziehung und Beziehungsgestaltung zum/zur (zukünftigen bzw. gegenwärtigen) Betreuer/in der Dissertation - eine/n Doktorvater/Doktormutter zu finden.

Tatsächlich gibt es für die Professoren auch keinen besonders großen Anreiz, Doktorand/inn/en anzunehmen, es sei denn, sie können ihre Reputation als Ko-Autor an Artikeln vergrößern, die im Zuge der Dissertation von den Doktorand/inn/en verfasst werden. Zudem setzen die in der Bundesrepublik Deutschland geltenden Promotionsordnungen voraus, dass die Dokorand/inn/en noch nicht fähig sind, wissenschaftlich und ethisch korrekt zu arbeiten, was meines Erachtens eine unwürdige Infantilisierung ausgebildeter Akademiker/innen darstellt. Offensichtlich sollen die Promotionskandidat/inn/en auf diese Art gezwungen werden, sich im Wissenschaftsbetrieb ein- und unterzuordnen, wodurch als unerwünschte Nebenwirkung jedoch das kreative Potential eingeschränkt und behindert wird.

Was es bräuchte, wäre ein unabhängiges Promotionsgremium in jedem Bundesland, das prüft, ob eigenständig entstandene wissenschaftliche Arbeiten, die selbstverständlich bereits veröffentlicht sein können, als Dissertation gelten können und es so einen zweiten Weg gibt, um über eine Disputation zur Doktorwürde zu gelangen.
Potsdam, den 10.11.2009
Klaus Mücke

 

Das Afghanistan-Problem - mit militärischen Mitteln nicht zu gewinnen
Eigentlich zeigt die Geschichte sehr deutlich, dass das Afghanistan-Problem mit militärischen Mitteln nicht zu lösen ist - zumindest nicht wenn das Ziel ein demokratisches die Menschenrechte verwirklichendes Afghanistan ist, in dem  staatlicher, religiöser, patriarchaler, ethnischer oder stammesbegründeter Terror nicht toleriert wird, sondern von den entsprechenden demokratisch legitimierten und kontrollierten Institutionen begrenzt und schließlich aufgelöst wird. Dieser Wandel kann nur von den Afghanen und dem demokratischen Potential ihrer traditionellen Sitten, Gebräuche und religiösen Einstellungen selbst kommen. Dabei geht es darum, jene historisch verankerten moralischen Überzeugungen der Afghanen deutlich sichtbar zu machen, die Terror, Mord, Gewalt, Unterdrückung, Geringschätzung, Intoleranz etc. als unwürdig ansehen und ablehnen. Jeder Tote und besonders jeder zivile Tote ist deswegen Gift für die Entwicklung hin zu einem demokratischen, die Menschenrechte respektierenden Afghanistan. Was gebraucht wird, sind von der afghanischen Bevölkerung - zumindest mehrheitlich - angesehene und respektierte Menschen, die für diese Werte einstehen und sie propagieren.
Potsdam, den 10.11.2009
Klaus Mücke

 

 

Israel und Palästina - ein Land, zwei Staaten?
Albert Einstein schrieb bereits 1930 zu dem Konflikt zwischen den Palästinensern und den Israelis: "Für jemand, der wie ich seit vielen Jahren den Standpunkt vertritt, dass die Zukunft der Menschheit auf einer Gemeinschaft der Völker errichtet und der aggressive Nationalismus bekämpft werden muss, kann die Zukunft Palästinas nur in einer friedlichen Zusammenarbeit zwischen den beiden in diesem Land lebenden Völkern bestehen. [...] Ich bin überzeugt, dass die Liebe des jüdischen Volkes zu Palästina allen Bewohnern des Landes nicht nur materiell, sondern auch kulturell zugute kommen wird. Ich glaube, dass die Wiedergeburt Arabiens in den weiten nun von den Arabern besetzten Räumen durch die Freundschaft der Juden nur gefördert würde. Ich würde es begrüßen, wenn diese Möglichkeit offen und ehrlich diskutiert werden könnte, denn ich bin überzeugt, dass diese beiden großen semitischen Völker, die beide auf ihre Weise Bleibendes zur westlichen Zivilisation beigetragen haben, eine große gemeinsame Zukunft haben können. Anstatt einander mit blinder Feindschaft und Misstrauen zu begegnen, sollten sie ihre nationalen und kulturellen Ziele gegenseitig unterstützen und nach verständnisvoller Zusammenarbeit streben" (Einstein zit. in Abraham Pais: Ich vertraue auf Intuition. Der andere Albert Einstein, 1998, S. 313).

Tatsächlich glaube ich nicht daran, dass eine Zwei-Staaten-Lösung, die eine strikte Trennung von Israelis und Palästinensern zur Folge hätte, den Konflikt zwischen ihnen beenden könnte. Das zeigt die Entwicklung dieses Konflikts, der in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer wieder zu furchtbaren Kriegen und Feindschaften geführt und unsägliches Leid auf beiden Seiten hervorgerufen hat. Menschen haben versucht, sich gegenseitig das Leben zur Hölle zu machen.

Eine andere Zwei-Staaten-Lösung scheint deswegen friedensdienlicher zu sein, eine Zwei-Staaten-Lösung, welche die von Einstein erhoffte Zusammenarbeit und Unterstützung zum Wohle der Menschen realisiert. Die Idee dabei wäre, dass es ein Land (Palästina-Israel bzw. Israel-Palästina) gibt, auf dessen ungeteiltes Territorium zwei souveräne Staaten existieren mit eigenen Verfassungen und eigenen staatlichen Organen und Institutionen (Exekutive und Legislative) sowie Gerichtsbarkeiten (Judikative). Die Angehörigen dieser beiden Staaten kommen zudem zugleich in den Genuss der Freizügigkeit hinsichtlich des Arbeits- und Wohnortes innerhalb des gesamten Landes "Israel-Palästina". Jeder kann sich niederlassen, wo er/sie möchte. Zusätzlich müsste es Kooperationsverträge und -handlungen zwischen den Institutionen dieser beiden Staaten geben, um die Sicherheit und den Schutz aller Bewohner des Landes "Palästina-Israel" weitestmöglich zu gewährleisten. Unter diesen Voraussetzungen könnte Jerusalem als ungeteilte Stadt sowohl Hauptstadt von Palästina als auch Hauptstadt von Israel sein.

Damit wäre das Problem gelöst, das mit der jüdischen Siedlungspolitik einherging, weil jeder in dem gesamten Land siedeln kann - ohne Ansehen der palästinensischen bzw. der israelischen Staatsbürgerschaft. Diese Möglichkeit hätte meines Erachtens das Potential die feindselige Konfrontation nicht nur in eine friedliche Koexistenz, sondern in eine friedliche Kooperation zu überführen und die historische (Gast-)Freundschaft zwischen der arabischen und der jüdischen Welt wiederzubeleben. Zudem böte diese Lösung die größtmögliche Sicherheit und den größtmöglichen Schutz vor Anschlägen oder Militärschlägen sowohl für Palästinenser als auch für Israelis. Die Existenz des Staates Israel könnte nicht mehr in Frage gestellt werden, weil jeder Angriff auf Israel auch ein Angriff auf Palästina wäre. Würde man etwas zum Wohlergehen der israelischen Bevölkerung beitragen, so würde auch das Wohlergehen der palästinensischen Bevölkerung wachsen und umgekehrt. Aus dem Gegeneinander wäre ein Füreinander geworden.

Johan Galtung hat einmal auf einer Tagung erwähnt, dass ein jahrzehntelanger Grenzkonflikt zwischen zwei südamerikanischen Staaten aufgelöst werden konnte, indem  man aufhörte, nach einer gemeinsamen Grenze zu suchen, stattdessen wurde ein gemeinsames Grenzgebiet definiert, das als Nationalpark von beiden Staaten betreut wird. So ähnlich könnte meines Erachtens der Konflikt zwischen den Palästinensern und den Israelis zum Wohle aller gelöst werden.

Mit Syrien wäre zu verhandeln unter welchen Bedingungen die Golan-Höhen dem Land Palästina-Israel zugesprochen werden könnten (finanzielle Entschädigung, Zusammenarbeit etc.) oder ob sie zurückgegeben werden müssen.

Es wäre dann auch mit aller Vorsicht zu erkunden, ob die Ägypter/innen der Sinai-Halbinsel und damit ihr Territorium unter der Voraussetzung, dass Ägypten dem zustimmt, nicht ebenfalls bereit wären, sich diesem Land Palästina-Israel anzuschließen. Für sie gälte dann das gleiche wie für die Palästinenser und die Israelis: Sie könnten Ihre ägyptische Staatszugehörigkeit behalten, hätten aber vollkommene Freizügigkeit im Land "Palästina-Israel" und könnten zusätzlich von den Ressourcen der anderen beiden Staaten profitieren. Damit Ägypten eine solche Option überhaupt in Erwägung zieht, wäre zu überlegen, ob die Bundesrepublik Deutschland als Zeichen der nie ganz zu verwirklichenden Wiedergutmachung für den Völkermord an den Juden durch die Nazis und Israel (eventuell zusammen mit den USA) als Zeichen der Wiedergutmachung für das Leid, das vielen Palästinensern zugefügt wurde, entsprechende finanzielle Mittel an Ägypten zur Verfügung stellen. Ägypten könnte mit seinem Einverständnis seinerseits ein Symbol für eine Völkerverständigung stellvertretend für die arabische Welt sein, das als Zeichen der Wiedergutmachung für das Leid gesehen werden könnte, das vielen Israelis zugefügt wurde.

Es braucht eine starke Utopie, eine starke Vision von einer wünschenswerten Zukunft, in der Menschen ihre legitimen und anerkennenswerten Bedürfnisse gut aufgehoben erleben - Bedürfnisse nach Frieden, Sicherheit und Schutz (Geborgenheit), nach Freiheit und Unabhängigkeit, um von der Herrschaft destruktiver Rachegedanken und Vergeltungsmaßnahmen abrücken zu können und stattdessen je ihren eigenen Beitrag für diese wünschenswerte Zukunft schon heute leisten.

Potsdam, den 10.11.2009
Klaus Mücke

 

 

Das Nibelungenlied und das Dritte Reich oder höchst zweifelhafte Helden
Eigenartig - die Nibelungensaga als mörderische und intrigante Volkssaga der Deutschen - hat allegorisch das Dritte Reich und seinen Mordzug gegen den Osten vorweggenommen. Fast alles, was das Dritte Reich im negativen Sinne charakterisierte und in die Tat umsetzte, findet sich im Nibelungenlied. Es ist mir ein Rätsel, wie eine solch finstere Sage voller niederer Beweggründe, Rache, Intrige, Heimtücke und Mord zu einem deutschen Volksepos werden konnte. Es gibt keine Helden und keine Heldinnen, mit denen man sich guten Gewissens identifizieren könnte. Was es gibt, sind eifersüchtige und auf Rache sinnende Frauen - und Männer, die auch vor Meuchelmord nicht zurückschrecken. Es findet sich eine rassistische Beschreibung der Hunnen und eine ebensolche Einstellung gegen sie, die dann nur noch dazu dienen, die eigene Manneskraft dadurch zu beweisen, dass es ein paar deutscher Helden mit Tausenden von ihnen aufnehmen können, indem sie diese reihenweise abschlachten. Und jedem - besonders Hagen - war schon beim Zug zu König Etzels Hof klar, dass sie nicht lebend wiederkehren würden, die Schlacht nicht zu gewinnen sei. Es war also ein mörderisches Selbstmordprogramm, das in Nibelungentreue und in vollem Bewusstsein der Aussichtslosigkeit ausgeführt wurde - genau so wie das jene Millionen Soldaten in ihrer Treue zu Hitler dann auf dem sogenannten Ostfeldzug Wirklichkeit haben werden lassen.
Die Parallele zwischen der Nibelungensaga und dem Mordzug gegen Osten ist meines Erachtens frappierend, so dass die These nicht leicht von der Hand zu weisen sein wird, dass Hitler, der ja bekanntlich unter anderen besessen von Wagners "Der Ring der Nibelungen" war, sich von dieser Sage hat inspirieren lassen. Ja, es könnte sogar sein, dass - als Hitler unumschränkte Macht hatte - sein Unbewusstes federführend für die Realinszenierung des Nibelungenliedes war. Die ihm treu ergebenen Gefolgsleute konnte er wie ein Regisseur auf der Bühne der Welt in den von Mord begleiteten Untergang schicken.
Potsdam, den 26.11.2009
Klaus Mücke

 

Europa und das bedingungslose Grundeinkommen
Würde es nicht zu einem Gefühl des solidarischen Miteinanders zwischen den Bürger/inne/n der europäischen Nationen kommen, wenn die obersten EU-Gremien die Einführung eines bedingungslosen - nicht nur die Existenz sondern die Würde des Menschen wahrenden - Grundeinkommens von den EU-Mitgliedsstaaten fordern würden? Das könnte auch ein Weg sein, um EU-Skeptiker/inne/n und Nationalismen zu begegnen.
Potsdam, den 04.11.2009
Klaus Mücke

 

Die Würde des Menschen und das Internet
Von vielen wird das Internet noch immer als rechtsfreier Raum angesehen und die virtuelle Welt offensichtlich nicht ganz ernst genommen. Es stellt sich hier aber noch viel mehr als in der realen Welt die Frage, wie die persönliche Würde eines Menschen geschützt werden kann. Hier besteht meines Erachtens noch dringender Regelungsbedarf.  Zwar gelten im Internet die gleichen Gesetze, doch reicht das meiner Meinung nicht aus, um die Würde von Menschen angemessen schützen zu können. Das Internet hat die Tendenz nichts zu vergessen, jede Äußerung zu vervielfältigen und für jeden Menschen auf der Welt zugänglich zu sein, deshalb sollte üble Nachrede, Mobbing oder Beleidigungen im Netz noch viel schärfer geahndet werden, als das in der realen Welt der Fall ist. Es Bedarf dringend eines verbindlichen ethischen Regelkatalogs mit entsprechenden Konsequenzen, wenn diese Regeln im zwischenmenschlichen Umgang verletzt werden.
Potsdam, den 04.11.2009
Klaus Mücke

 

Die Würde des Menschen ist antastbar
Bis vor kurzem war mir gar nicht klar, dass man Menschen, die Hartz IV-Empfänger/innen sind,  selbst das Existenzminimum kürzen oder gar streichen kann, wenn Sie bestimmte Auflagen oder Formalien nicht erfüllen (Pflichtverletzung heißt das dann). Wie muss man sich da als Mensch fühlen? Überflüssig? Nicht mehr gebraucht? Ist den Gesetzgeber/inne/n dieses unwürdigen Gesetztes eigentlich klar, dass sie damit das Existenzrecht eines Menschen in Frage stellen? Kein Staat sollte es sich antun, moralisch so tief zu sinken.
Potsdam, den 04.11.2009
Klaus Mücke

 

 

Objektivität wissenschaftlicher Studien
Bei den wissenschaftlichen Studien, deren Ergebnisse über womöglich milliardenschwere Umsätze entscheiden (also beispielsweise in der Gentechnik, der Energiegewinnung, der Gesundheitsindustrie, den Kommunikationsmitteln, der Unterhaltungsindustrie und den Medien) erhält man sofort das Resultat dieser Forschungen, wenn man die Interessen der Auftrag- und/oder Geldgeber dieser Studien kennt. Das ist praktisch, weil man sie dann gar nicht mehr lesen muss.
Potsdam, den 23.04.2009
Klaus Mücke

 

Kapitalismus mit menschlichem Antlitz?!
Ein Kapitalismus, der nicht den Profit über Menschenleben stellt, wäre zumindest einer mit einem menschlicheren Gesicht.
Potsdam, den 23.04.2009
Klaus Mücke

 

Zur Mediengewalt-Diskussion:
Was mir absolut fern liegt
,
ist eine Diffamierung oder gar Dämonisierung der PC-Spieler. Das wäre vollkommener Unsinn. Allerdings weiß ich gar nicht, wie es sich verhindern lässt, dass das so aufgefasst wird, nur weil ich ein striktes Verbot solcher Spiele, in denen virtuelle Gewaltausübung belohnt wird, fordere.
    Wenn es aber absolut unmöglich ist, dass unsere Gesellschaft virtuelle und reale Gewalt so ächtet, wie es sinnvoll und not-wendig wäre und wenn ein Verbot unmöglich ist (oder die Verbotsforderung idealistischer systemaufrechterhaltender Nonsens wäre) und wenn ein Verbot immer als Diffamierung der Spieler aufgefasst wird, dann kenne ich keinen wirklich gangbaren Weg aus dem Albtraum virtueller Gewalt.
Das kann und will ich nicht glauben, viel näher liegt mir Hölderlins Aphorismus:
"Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch!"
Potsdam, den 29.03.2009
Klaus Mücke

 

Bindung und virtuelle PC-Spiele
Gerade habe ich von Hans-Peter Waldrich in den "Blättern für deutsche und internationale Politik" (4'09; S. 39-51) einen interessanten Artikel mit dem Thema "Tatort Schule" gelesen, in dem er zwar die Debatte um Killerspiele als marginal, nicht der Rede wert bzw. am Thema vorbei abtut (so wie ich das gelesen habe), doch einen wichtigen Aspekt sehr deutlich macht, das ist die mangelhafte Bindung zu entsprechenden haltgebenden Vorbildern und sozialen Systemen. Doch auch hier gibt es eine Relation zu den virtuellen Spielen: Je weniger ich in der realen Welt verwurzelt und im positiven Sinne gebunden bin, um so eher ziehe ich es vor, mir in der virtuellen Welt in virtuellen bzw. halbrealen Systemen (reale Menschen, die sich im Internet zur Bewältigung von Aufgaben zusammentun und in Kommunikation gehen.) Bestätigung zu holen. Und auch andersherum gilt das: Je mehr ich in der virtuellen Welt versinke, um so größer die Gefahr, meine realen sozialen Systeme in Familien und Schule zu vernachlässigen. Kommt dann noch schulischer Leistungsdruck hinzu, gibt es praktisch keine Zeit mehr für Eltern, Geschwister, Freunde und Verwandte.
Potsdam, den 29.03.2009
Klaus Mücke

 

Täter-Gewalt-Spiele und das Gewissen
Dass ich ein striktes Verbot von Täter-Gewalt-Spielen - also virtuellen Spielen, in denen man in die Rolle des Täters schlüpft - fordere, ist nicht einfach so dahingesagt, sondern leitet sich zwingend aus folgenden psychologischen Erkenntnissen ab, die
leider in der konkreten gesellschaftlichen Lebenspraxis noch nicht entsprechend angekommen bzw. genutzt werden:

  1. Der Mensch ist ein doppelt systemisches Lebewesen: Zum einen ist er ein vollkommen autonomes lebendes System (Autopoiese) und zum anderen ist er absolut abhängig von sozialen Systemen, die real aber auch virtuell sein können. Diese Abhängigkeit bezieht sich auf das Bestreben, von diesen Systemen anerkannt zu werden und sich zugehörig (geborgen, aufgehoben) zu fühlen. Und die Geschichte zeigt, dass Menschen bereit sind, alles – selbst ihr Leben – zu opfern, um diese Anerkennung, Zugehörigkeit und Selbstbestätigung zu erfahren.
  2. Das menschliche Gewissen ist – systemisch betrachtet – nichts anderes als ein Sinnesorgan, das uns nur sagt, ob wir den Forderungen des sozialen Systems entsprechen, oder ob wir Gefahr laufen, durch unser Verhalten aus der sozialen Gruppe ausgeschlossen zu werden.
  3. Wenn das für uns entscheidende Zugehörigkeitssystem mörderische Forderungen an uns stellt, dann werden wir versuchen, diese Forderungen zu erfüllen: Stellen Sie sich vor, Sie sind als Sohn in eine Mafia-Familie hineingeboren. Ihr Vater hat seinem Vater beweisen müssen, dass er ein ehrenwertes Mitglied der Familie ist, indem er den Boss der Gegenseite ausgeschaltet hat. Hätte sich Ihr Vater den Forderungen seines Vaters widersetzt, er wäre von ihm aus der Familie ausgeschlossen worden. Doch Ihr Vater hat sich als treuer Sohn erwiesen und mit dem besten Gewissen seiner Familie gegenüber gemordet. Und nun stellt er aufgrund seiner Geschichte gleiche Forderung an Sie, die er für vollkommen berechtigt hält: Entweder Sie töten den Nebenbuhler oder sie verlieren das Recht, zur Familie dazuzugehören. Wenn Sie den Mord nicht begehen, dann werden Sie ein schlechtes Gewissen haben. Das Gewissen ist damit das bestechlichste Phänomen, das es gibt. Was glauben Sie, wie das Gewissen von Abgeordneten beschaffen ist? Es ist in erster Linie ein treuer Diener der Gruppen, zu denen der Abgeordnete gehören möchte. Was für ein Hohn zu behaupten, die Abgeordneten seien nur ihrem persönlichen Gewissen verpflichtet. Und noch ein historisches Beispiel: Im Dritten Reich folgte eine überwältigende Zahl von Bürger/inne/n ihrem Gewissen, das sie zur Treue zur „deutschen Volksgemeinschaft“ verpflichtete, und diese Treue Ihres Gewissens führte zum millionenfachen Mord an vollkommen wehrlosen Menschen – Männern, Frauen und Kindern.
  4. Jetzt kommt noch etwas hinzu: Die moderne Psychotherapie (Hypnotherapie, Systemische Psychotherapie, imaginative Verfahren) arbeitet im Wesentlichen mit Phantasien, also Vorstellungsbildern. Von unserem Unbewussten werden diese Phantasien wie reale Erfahrungen aufgenommen.
  5.  Im negativen Sinne können beispielsweise Showhypnosen tödlich wirken. So wird von einem Fall berichtet, bei dem einer Frau in einer Showhypnose suggeriert wurde, sie stehe unter Hochspannung und diese Frau starb in der darauf folgenden Nacht und es wurde festgestellt, dass ihr Körper so reagierte, als sei er mehreren Tausend Voltampere ausgesetzt gewesen.
  6.  Konklusion: Wenn virtuelle Bilder und Zugehörigkeitssysteme von unserer Psyche wie reale Vorstellungen und Zugehörigkeitssysteme aufgefasst werden, dann übernimmt unser Gewissen genau die Regeln und Normen solcher virtuellen sozialen Systeme. Und wenn solche virtuellen Systeme die dominierenden sozialen Zugehörigkeitssysteme darstellen, können andere Normen und Regeln des Zusammenlebens verblassen. Spielen wir immer wieder und wieder in solchen virtuellen Welten, in denen von uns virtuelle Gewaltanwendung gefordert und belohnt wird, wird unser Gewissen dementsprechend von solchen Normen und Regeln geformt und wir fühlen uns gut, wenn wir Gewalt anwenden, ob das nun virtuell oder real geschieht.

Aus diesen Gründen halte ich es für eine absolute Not-wendigkeit, diese Spiele zu verbieten und gesellschaftlich zu ächten. Und ich frage mich, wie viele Amokläufe, die Gesellschaft noch in Kauf nehmen möchte, nur um die Freiheit zu bewahren, virtuell morden zu dürfen. Was richten wir mit unseren Kindern an?
Potsdam, den 29.03.2009
Klaus Mücke

 

Verbieten verboten!?
Manche Menschen sind der Meinung, dass Täter-Gewalt-Spiele so wenig verboten werden können, wie beliebte Schnellimbissketten.
Doch würde sich herausstellen, dass eine solche Kette  systematisch das angebotene Essen vergiften würde und Menschen dadurch zu Tode kämen, dann würde jeder selbstverständlich fordern, sie zu verbieten und dann hätte diese Forderung durchaus Realisierungschancen.
Killerspiele haben eine solche Wirkung – allerdings „nur“ auf der psychischen Ebene. Sie vergiften im wahrsten Sinne des Wortes die menschliche Psyche.
Außerdem: Die Todesstrafe ist glücklicherweise zumindest in den meisten Ländern der Erde verboten. Kampfhunde sind in Deutschland verboten. Sklaverei ist verboten. Mord und Todschlag sind verboten. Angriffskriege sind verboten. Und ich – das muss ich sagen – bin froh über diese Verbote. (Selbst wenn man das Verbieten verbieten möchte, wäre immer noch das Verbieten verboten.)
Potsdam, den 29.03.2009
Klaus Mücke

 

Medienkompetenz
Die Gesellschaft hat meines Erachtens die Tragweite der möglichen Auswirkungen dieser mit dem Computer verbundenen neuen Medien im Wesentlichen noch nicht begriffen. Es fehlt den Jugendlichen nicht an Medienkompetenz , sondern der Gesellschaft. Hätte die Gesellschaft nämlich die entsprechende Medienkompetenz, dann müsste sie unweigerlich zu dem Schluss kommen, dass jegliche virtueller Gewalt, die in der Rolle des virtuellen Täters, mit dem man verschmilzt, „genossen“ wird, strikt abzulehnen, nicht zu dulden und zu verbieten ist.
Potsdam, den 29.03.2009
Klaus Mücke

 

Noch ein paar Informationen zum jüngsten Schul-Amoklauf:

stern.de - 20.3.2009 - 12:39
URL: http://www.stern.de/panorama/658239.html
Tim Kretschmers Geisel im stern-Interview : © Harald Schmitt

Auf Irrfahrt mit dem Killer

Die Geisel vom Winnender Amokläufer Tim Kretschmer hat offenbar ein noch größeres Blutbad verhindert. Im stern spricht der Deutsch-Kasache Igor Wolf erstmals über seine knapp zweistündige Irrfahrt mit dem Amokläufer und berichtet, dass Kretschmer ihn gefragt habe: "Meinst du, wir finden noch eine andere Schule?"
   
Geistesgegenwärtig wechselte Familienvater Wolf das Thema. Igor Wolf war am Morgen des 11. März auf einer Straße nahe der Psychiatrischen Landesklinik Winnenden in die Gewalt Kretschmers geraten, als er auf seine Frau wartete. Nur wenige Minuten zuvor hatte der 17 Jahre alte Täter in der Albertville-Realschule bereits neun Schüler und drei Lehrerinnen getötet.
    Wolf schilderte den stern-Reportern mit ruhiger Stimme und extrem präzise, dass Kretschmer um 9.47 Uhr die rechte Hintertür seines VW Sharan aufriss, auf den Rücksitz sprang und ihm die Pistole ins Gesicht hielt. „Fahr schnell“, sagte der Amokschütze und, die genaue Zahl seiner Opfer nicht kennend: „Ich habe schon 15 Menschen umgebracht in meiner alten Schule, und das war für heute noch nicht alles.“
    Im Laufe der Fahrt, die von Winnenden quer durch Stuttgart, über Böblingen, Tübingen bis nach Wendlingen führte, spielte Kretschmer mit der linken Hand mit der Munition. Mit der rechten zielte er auf seinen Fahrer. Wolf: „Er bereitet sich auf die nächste Schießerei vor, das ging mir durch den Kopf“. Irgendwann stellte Tim Kretschmer die Frage: „Meinst du, wir finden noch eine andere Schule?“ Die Geisel ging darauf nicht weiter ein. „Ich habe ihn zur Ablenkung gefragt, wo willst du denn hin, wohin soll ich dich denn fahren?“ Igor Wolf, der als Gabelstapler-Fahrer arbeitet und an diesem Tag Spätschicht hatte, versuchte den Amokschützen immer wieder zu beschwichtigen. „Warum machst du so einen Scheiß?“, fragte er ihn. Ganz laut hat er geantwortet: „Aus Spaß, weil es Spaß macht.“ (Hervorhebung - K.M.)

 

 

Ohne Killerspiele - kein Schul-Amok?! Oder: Die Schönheit unserer Seelen 6 (Anm.: 5,4,3, 2 und 1 weiter unten)
Ich bin vollkommen fassungslos und erschüttert über die vehemente Verteidigung des virtuellen Tötens nicht gerade weniger Blogger, die offensichtlich begeisterte “First Person Shooter” am PC sind.
    Um einen Menschen umbringen zu können, muss man ihn zuerst in der Vorstellung ermorden - anders geht es nicht. Wird in der Vorstellung nicht gemordet, ist Mord nicht möglich.
    Mir geht es bei meiner Argumentation gegen Killerspiele, von denen viele tatsächlich in ihrem Ablauf nichts anderes als Amok-Läufe simulieren und das virtuelle Töten mittels Belohnung wie in der klassischen Verhaltenstherapie (Token-Methode) verstärken, nicht nur darum, die Wahrscheinlichkeit des realen Tötens zu verringern, sondern noch vielmehr um der inneren Militarisierung zu begegnen, die nachweislich zu einer Reduzierung des Mitfühlens mit anderen Lebewesen und zu innerer Abstumpfung führt (vgl. die moderne Hirnforschung, Spitzer, Hüther, Grossman, Pfeiffer etc.).
    Mit Hilfe sogenannter EGO-Shooter töten wir von mal zu mal einen Teil der Schönheit unserer Seelen. Das ist der entscheidende Punkt.
    Und ich bin wirklich sehr verzweifelt darüber, dass dieser Aspekt in der öffentlichen Diskussion überhaupt nicht auftaucht.
Potsdam, 16.03.2009
Klaus Mücke

 

Ohne Killerspiele - kein Schul-Amok?! 5 (Anm.: 4,3, 2 und 1 weiter unten)
Eigenartig: Es scheint noch kaum jemandem aufgefallen zu sein, dass viele Killerspiele nichts anderes simulieren als einen Amoklauf.
Potsdam, 15.03.2009
Klaus Mücke

Ohne Killerspiele - kein Schul-Amok?! 4 (Anm.: 3, 2 und 1 weiter unten)
Wenn es die Chance gibt durch eine gesellschaftliche Ächtung gewaltverherrlichender Medien, dem mit einem Verbot auch öffentlich Nachdruck verliehen wird, auch nur ein Menschenleben in einer Million Jahre davor zu bewahren, Opfer eines Amoklaufs zu werden, dann hat es sich gelohnt.
Leider stimmt meine Statistik nicht; denn es sind viel mehr Tote durch Amokläufe zu beklagen. Dass Amokläufe gesellschaftlich nicht zu verhindern sind, es sie immer schon gegeben hätte, ist eine Mär, weil diese Behauptung nicht erklären kann, wieso es Kulturen gibt, in denen Amok gehäuft auftritt und Kulturen, in denen Amok kaum bekannt oder sogar gänzlich unbekannt ist.
Der Begriff "Amok" (malaiisch: meng-âmok, in blinder Wut angreifen und töten) musste deswegen ja auch von einer bestimmten Kultur des indonesischen Archipels importiert werden.
Ich kann mich nicht erinnern, dass es zu der Zeit, als ich zur Schule ging, Schulamokläufe gegeben hat. Es gibt sie heute.
Und heute sind sie ein zumindest kontinuierlich zu beklagendes Phänomen. Das bedarf einer Erklärung.
Wie kommt es, dass sich - soweit mir bekannt - alle Schul-Amok-Schützen der letzten Jahre exzessiv mit Killerspielen beschäftigt haben?
Und wie kommt es, dass es beim amerikanischen Militär funktionierte mittels des Trainings mit Counterstrike ähnlichen Videospielen die Tötungshemmung zu reduzieren?
Nein, ich bin auch kein Freund von Verboten und dennoch sind sie in bestimmten Fällen mehr als nur notwendig. Und es wäre allein schon viel geholfen, wenn solche “Spiele” nur mit einem schlechten Gewissen gespielt würden, weil man weiß, dass das Spielen auf Missachtung stößt; zumindest hätte man dadurch deutlich weniger Spaß am virtuellen Töten.
In diesem Jahrzehnt gab es in der Bundesrepublik Deutschland zwei verheerende Schulamokläufe mit jeweils 16 Toten. Über einen Zeitraum von 100 Jahren wären das 320 Tote - allein durch solche extremen Amokläufe.
Wie viele Tote muss es noch geben, bis Gewalt und damit auch Gewaltvideospiele gesellschaftlich geächtet werden, um solche Massaker zu verhindern?
Potsdam, 15.03.2009
Klaus Mücke

Ohne Killerspiele - kein Schul-Amok?! 3 (Anm.: 2 und 1 weiter unten)
Es geht mir nicht darum, Menschen zu diffamieren, die Killerspiele spielen. Vielmehr geht es mir darum, an einem gesellschaftlichen Konsens mitzuwirken, von dem wir leider noch sehr weit entfernt sind. Würde Gewalt und Gewaltverherrlichung gesellschaftlich geächtet, hätte das sicherlich einen nicht zu unterschätzenden Wert für eine friedliebende Welt.
    Ich verstehe einfach nicht, was an “Spielen”, in denen das virtuelle Morden mit Belohnung verstärkt wird, schützenswert ist. Als ich von dem Amoklauf gehört habe, musste ich vor Erschütterung weinen, weinen um die Opfer und um den Täter, der meines Erachtens niemals dahin gekommen wäre, wenn für ihn das virtuelle Töten nicht zu etwas Selbstverständlichen geworden wäre.
    Ich habe zwei schulpflichtige Kinder und ich fahre seit den berichteten Schulamokläufen der letzten Zeit meine Kinder anders zur Schule und ich werde das Gefühl nicht los, dass es jederzeit zu weiteren Massakern kommen kann, weil es so naheliegend ist, in einer Krisen-, Frustrations- und Schamsituation das, was durch Gewaltspiele (also gut: ich meine Massenmordsimulatoren) angetriggert wurde, in die Realität umzusetzen.
    Mittlerweile entsetzt es mich, wenn ich in verschiedenen Blogs oder Zeitungen lese, wie vehement Jugendliche aber auch Erwachsene sich für solche menschenverachtenden virtuellen Gewalt-Spiele (banalisierend “First-Person-Shooter”) einsetzen - fast so als ginge es um ihre Existenz und als sei das Leben nicht mehr lebenswert, wenn man nicht mehr die Gelegenheit hat, Menschen virtuell zu ermorden.
    Ich begreife das nicht und es macht mich einfach ängstlich und traurig.
Potsdam, 15.03.2009
Klaus Mücke

Ohne Killerspiele - kein Schul-Amok?! 2 (Anm.: 1 weiter unten)
Vor zwei Jahren schrieb ich auf den KOMMENTAR von STEFAN REINECKE "Mord nach Muster" (taz vom 21. 11. 06; S. 1):
Natürlich: Allein das Spielen von Computerspielen wie Counterstrike macht noch keine Mörder oder Amokläufer. Dass sie aber die Hemmschwelle herabsetzen, in der Realität zu töten, das ist mittlerweile zweifelsfrei nachgewiesen. Dave Grossman  ein früherer Militärpsychologe hat diesen Zusammenhang sehr eindringlich dargestellt. Und auch die Untersuchungen von Christian Pfeiffer (und mittlerweile die gesamte neuere Hirnforschung - K.M. 2009) weisen einen signifikanten Zusammenhang auf zwischen Gewalt darstellenden oder zu virtueller Gewaltausübung animierenden Computerspielen und tatsächlicher Gewalttätigkeit von Jugendlichen.
   
Wie kommt es, dass aufgrund dieser nachgewiesenen Zusammenhänge immer wieder das mehr als berechtigte Verbot der Gewaltverherrlichung in den Medien wie ein Angriff gegen die Pressefreiheit von den meisten Journalisten [...] verstanden wird? Welchen Nutzen haben Horrorvideos und Ego-Shooter-Spiele für die Menschen und die Gesellschaft sieht man von den horrenden Gewinnen der Produzenten solcher Massenmordsimulatoren ab? Was geht uns verloren, wenn wir in einer Welt leben würden, in der es weniger Gewalt und Gewaltdarstellungen gibt?

    [...] Die Verharmlosung von Computerspielen, die das virtuelle Morden durch Belohnung verstärken, ist mehr als dumm: Sie ist fahrlässig, weil es (das virtuelle Morden - K.M. 2009) die Tötungshemmung reduziert und für den schnellen "Kick" die Erhöhung der Gewaltbereitschaft in Kauf nimmt.
Klaus Mücke (2006)

Killerspiele, Ericksonsche Hypnotherapie und Hirnforschung
Was sich aus den Prinzipien der Ericksonschen Hypnotherapie folgerichtig ableiten lässt, wurde mittlerweile von der modernen Hirnforschung untermauert: Auch virtuelle Vorstellungen führen zu einer Veränderung psychischer Muster und Strukturen, die sich physiologisch aufgrund der Plastizität des Gehirns als Veränderung der Gehirnaktivitätsmuster und der Gehirnstruktur nachweisen lassen. Donald Olding Hebb formulierte bereits 1949: "Neurons that fire together wire together." Das ist das Prinzip nach dem Psychotherapie erst funktionieren kann. Wenn nun Killerspiele so lässt sich leicht folgern und mittlerweile mittels bildgebender Verfahren auch sichtbar nachweisen die virtuelle Realität von Kindern und Jugendlichen bestimmen, bildet sich physiologisch und psychisch ein Muster, das die Bereitschaft zum Töten in der realen Welt signifikant erhöht.
Potsdam, 14.03.2009
Klaus Mücke

Ohne Killerspiele kein Schul-Amok?! 1
Selbstverständlich kann nicht von einer linearkausalen Relation zwischen dem Konsum von Killerspielen (Massenmordsimulatoren) und einem Amoklauf gesprochen werden. Millionen Jugendliche trainieren schließlich leider tagtäglich den virtuellen Massenmord und laufen in der Realität nicht Amok. Sehr wohl aber geht es um die Erhöhung der Wahrscheinlichkeit für eine solche Tat durch einen derartigen Medienkonsum. Denn: Menschen lernen in erster Linie und am effektivsten durch Nachahmung, ob sie nun virtuell oder real stattfindet. Und: Auch virtuelle Zugehörigkeitssysteme wirken gewissensbildend, formen also persönliche Regeln und Normen. Es sollte doch zu denken geben, dass Schulamok in der jetzigen Form vor der Einführung von Killerspielen nicht existierte und man muss keine aufwändigen psychologisch-statistischen Untersuchungen durchführen, um folgenden Zusammenhang zu entdecken:
Die Wahrscheinlichkeit für die Durchführung eines Amoklaufs nimmt zu, wenn
a) Killerspiele häufig und exzessiv gespielt werden,
b) es keine ausgleichenden Bedingungen wie intensive soziale Kontakte und eine gute soziale Integration gibt,
c) es zu einer krisenhaften Zuspitzung der Lebenssituation kommt (Liebeskummer, Kränkungen, Missachtungs- und Misserfolgs-Erlebnisse  etc.), mit denen massive Schamgefühle einhergehen. (Erst aufgrund gestörter Bedingungen kommt es zu einer zumindest zeitweilig gestörten Persönlichkeitsstruktur. - Aus diesem Grunde ist es eine kurzschlüssige Folgerung, dass Täter immer persönlichkeitsgestört sein müssen.)
d) es viele Amokläufe in der Vergangenheit gegeben hat, die für öffentliches Aufsehen gesorgt haben und Amokläufer zu Vorbildern werden und
e) Waffen leicht erreichbar sind.
Die Konsequenz, um Amokläufe präventiv zu verhindern, kann deswegen nur lauten:
1. Ein generelles Verbot von Produktion, Vertrieb und Verkauf  solcher Computer-Spiele.
2. Ein generelles Verbot des persönlichen Besitzes von Schuss- bzw. Detonationswaffen.
Es ist ein trauriges Zeichen unserer modernen Gesellschaft, dass sich keiner darüber empört, dass Millionen von Kindern Stunde um Stunde, Tag für Tag als virtuelle Kindersoldaten trainieren, Menschen auf einem Bildschirm abzuknallen. Und es ist ein trauriges Zeichen, dass keiner die Frage aufwirft: "Was ist eigentlich schützenswert an Killerspielen?" Stattdessen macht man sich Gedanken, Schulen in Hochsicherheitstrakte zu verwandeln.
Potsdam, 12.03.2009 und 13.03.2009
Klaus Mücke

 

Entschleunigung an den Schulen
Was spricht eigentlich dagegen, die unsägliche Verkürzung der gymnasialen Schulzeit auf 8 Jahre, die den Leistungsdruck der Schüler erhöht, ihnen Zeit und Lebensqualität stiehlt, rückgängig zu machen? Warum nicht im Gegenteil den Schüler/inn/en ermöglichen, ohne Gesichtsverlust 14 oder 15 Schuljahre zu absolvieren?
Potsdam, 12.03.2009
Klaus Mücke

 

Nationalgefühl I
Wie kommt es eigentlich, dass Menschen stolz auf ihre Nationalzugehörigkeit sind, stolz also auf etwas, wozu sie nichts beigetragen haben und was nicht ihr persönlicher Verdienst ist? Der Stolz auf die Zugehörigkeit zu einer Nation resultiert systemisch gesehen aus der Dankbarkeit, dass man zur Nation gehören darf und sich von dieser Gemeinschaft angenommen fühlt, ohne dafür etwas Spezifisches tun, leisten oder sein zu müssen. Problematisch daran ist jedoch, dass dabei die Tendenz besteht, alle Menschen abzuwerten oder gar in ihrer Existenz abzulehnen, die nicht zur eigenen Nation gehören bzw. zu gehören scheinen. Damit verhält man sich fast zur gesamten Menschheit feindselig. Wie wäre es dagegen, würden sich Menschen geborgen als Teil der Menschheit oder noch besser als Teil des Universums fühlen?
Potsdam, 10.03.2009
Klaus Mücke

 

Nationalgefühl II
Mit einer gewissen Genugtuung und Hoffnung kann festgestellt werden, dass bisher jede Art von nationalistischem Chauvinismus langfristig am meisten genau der Nation geschadet hat, die von den Nationalisten über andere Nationen gestellt wurde.
Klaus Mücke

 

Trauma-Paradoxon
Traumatische Situationen drängen sich dem Bewusstsein deswegen auf, weil sie einen vor der realen Wiederholung der traumatischen Erfahrung schützen möchten.
Klaus Mücke

 

Kommunikationskiller
"Warum hast Du das nicht schon eher gesagt?" (Diese Bemerkung tut nichts zur Sache. Auf sie kann jederzeit zugegriffen werden selbst dann, wenn das Gesagte vollkommen rechtzeitig bzw. unmittelbar geäußert wurde. Sie unterstellt fälschlicherweise, wenn etwas scheinbar zu spät gesagt wurde, dann sei die betreffende Bemerkung ungerechtfertigt und bräuchte deswegen nicht ernst genommen werden.
Klaus Mücke

 

Beziehung, Bedürfnisse und Macht
Wer weniger in einer Beziehung will, ist zwar ärmer, hat jedoch in dieser Beziehung mehr Macht.
Klaus Mücke

 

Killerspiele und Mitgefühl
Bei Killerspielen, die exzessiv meist von Jungen gespielt werden,  besteht die große Gefahr, dass die Spieler/innen beim virtuellen Töten buchstäblich ihre Spiegelneuronen also die Fähigkeit, Mitgefühl zu empfinden wegballern.
Zum Trost: Da das Gehirn die Fähigkeit hat, seine Struktur in Abhängigkeit der von ihm wahrgenommenen spezifischen Umwelt zu verändern, ist der Prozess unter bestimmten Bedingungen reversibel.
Klaus Mücke

 

Eisbären und Mitgefühl
Wenn keiner mehr fähig ist, um Eisbären zu weinen, ist es mit uns geschehen.
Klaus Mücke

  

Ökologie
Die ökologischen Prozesse lassen sich nicht spotten.
Gregory Bateson

 

Bloß nicht aufgeben
Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.
Samuel Beckett

 

Autopoiese und Angst
Ich kann den Kopf verlieren. Ich kann sterben. Aber keiner kann mir Angst machen.
N.N.

 

Das "Vielleicht" in der Liebe
Einem „Vielleicht“ in der Liebe kann mit großer Berechtigung die Bedeutung „Nein“ gegeben werden.
Klaus Mücke

 

Das Versagen der Medien
Die Finanz- und Wirtschaftskrise ist nicht unerheblich dem Versagen der Medien geschuldet. Vor der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise war man dem neoliberalen Trommelfeuer mehr oder weniger unisono tönender Medien ausgesetzt, die unablässig ihre Propaganda der globalen Gewinnmaximierung predigten: Von Jammern und Neiddebatte (Erinnern Sie sich: "Mit diesem Wort wurde 2006 durch den ehemaligen Bundesbankchef Ernst Welteke die ernsthafte Diskussion um die Angemessenheit von Millionenbezügen bestimmter Spitzenmanager auf die Stufe eines kleinkarierten Neides herabgewürdigt" (Quelle: Pressemitteilung Unwort des Jahres 2006) war die Rede. Es hieß, Arbeitszeitverkürzung schaffe keine Arbeitsplätze, sondern – vollkommen widersinnig – nur das Gegenteil: Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit. Es hieß, man (das meinte die "kleinen Leute") müsse den Gürtel enger schnallen und Reallohnkürzungen hinnehmen, um global wettbewerbsfähig zu sein. Es hieß Eigeninitiative sei nun gefragt und ein schlanker Staat gefordert, der soziale Ausgleichssysteme abbauen und sich sonst aus dem Geschehen des freien Marktes heraushalten solle. Es hieß, Leistung müsse sich wieder lohnen und Managergehälter in Millionen wäre vollkommen gerechtfertigt. Es hieß, Studiengebühren. Es hieß, Privatisierung und Deregulierung. Es hieß, Gewinnmaximierung, globale Wettbewerbsfähigkeit und wann geht's an die Börse. Und jetzt? Erinnert sich noch jemand?
Auch auf die Gefahr hin, der Besserwisserei bezichtigt zu werden: Bereits im März 2005 zu Hochzeiten des von Massenmedien gehypten marktradikalen Neoliberalismus veröffentlichte ich im Internet:
Wohlstand, Vollbeschäftigung und Nachhaltigkeit: Ein 10-Punkte-Programm für die Bundesrepublik Deutschland.
Potsdam, 25.02.2009 und 03.03.2009
Klaus Mücke

 

Die Internet-Revolution
Während des letzten Jahrzehnts wurde mir schleichend klar, welche im wahrsten Sinne des Wortes revolutionären Veränderungen das Internet für die Menschheit haben wird bzw. schon hat. Es bildet jetzt schon eine Form vernetzter Superintelligenz, bei der es schwierig wird zu entscheiden, ob sie sich unserer bedient und wir sie bedienen. In extrem kurzer Zeit hat sie es geschafft, jede gedruckte Enzyklopädie weit in den Schatten zu stellen und obsolet zu machen. Doch dabei wird es nicht bleiben. Sie wird uns heute noch lieb und teuer gewordene Einrichtungen auf lange Sicht den Garaus machen. Magazine, Tages- und Wochenzeitungen, Kaufhäuser und Buchhandlungen werden von diesem virtuellen Koloss gefällt werden. Die Menschen werden nicht mehr zu den Waren gehen, sondern die Waren kommen zu den Menschen.
Potsdam, 02.03.2009
Klaus Mücke

 

Informationen beschaffen oder beseitigen?
Im Internet-Zeitalter kann fast jede Information sekundenschnell gefunden werden. Die Informationsbeschaffung wird zu einem Kinderspiel. Viel schwieriger dagegen ist es zu entscheiden, welche Information wirklich von Nutzen ist bzw. auf welche Information verzichtet werden kann. Informationsselektion ist wichtiger als Informationskollektion. Doch noch weit bedeutsamer scheint es mir, Mittel und Wege zu finden, Informationen wieder nachhaltig aus dem Netz zu löschen. Nicht die Informationsbeschaffung, sondern die Informationsbeseitigung wird zur vordringlichen gesellschaftlichen Aufgabe. Die Beseitigung personenbezogener Informationen und Daten müsste als allgemein verbindliches Menschenrecht definiert werden.
Potsdam, 02.03.2009
Klaus Mücke

 

Weinen
Kaum etwas bringt einen so in Kontakt mit sich wie das Weinen. Ein solches Weinen stärkt.
Potsdam, 02.03.2009
Klaus Mücke

 

The best things in life are free.
The Beatles

 

Lieber die Qual der Wahl als die Wahl der Qual.
Lubolz, 27.02.2009
Klaus Mücke

 

Wer's nicht klar sagen kann
Wer`s nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er`s klar sagen kann.
Karl Popper, 1971

 

Gleichheit wird nicht immer allen gerecht
Wenn alle gleich behandelt werden, besteht die Gefahr, niemandem gerecht zu werden.
Potsdam, 25.02.2009
Klaus Mücke

 

Demokratie und Medien
Von Demokratie kann dann nicht mehr vorbehaltlos gesprochen werden, wenn
a) Politiker/innen die Medien steuern und
b) Medien bzw. Medienkonzerne Politiker/innen steuern.
Potsdam, 25.02.2009
Klaus Mücke

 

Sehnsucht
Jeder Mensch sehnt sich nach einem Menschen, für den er der wichtigste ist.
Potsdam, 21.02.2009
Klaus Mücke

 

Nur ein paar Fragen zur aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise
Wie kommt es eigentlich, dass nach dem globalen Desaster, das der marktradikale Neoliberalismus und seine Ideolog/inn/en angerichtet haben, die wenigen, die in ausgezeichneten Positionen von Wirtschaft und Politik von der "Deregulierung" profitierten, nicht in die Verantwortung genommen werden für den Schaden, den sie der Gesellschaft zugefügt haben?
● Wie kommt es eigentlich, dass diejenigen, die aufgrund der angebotsorientierten Wirtschaftspolitik des Neoliberalismus von Reallohnsenkungen und Kürzungen der Sozialleistungen kontinuierlich in den letzten Jahren und Jahrzehnten in die Armut gezwungen wurden, und heute am stärksten unter der Wirtschaftskrise leiden, einen großen Teil der finanziellen Last tragen, um die Krise zu bewältigen?
● Wie kommt es eigentlich, dass die vorherrschenden Massenmedien sich nicht selbstkritisch fragen, wie sie über Jahrzehnte die Ideologie des von allen guten Geistern freien Marktes, der keiner Regulation bedarf, propagieren konnten?
● Wie kommt es eigentlich,
dass diese "freien" Medien die Tendenz hatten, jeden sofort als Verschwörungstheoretiker zu diffamieren, der es wagte, hinter den Ideologien der Deregulierung und Privatisierung bestimmte finanzkräftige Interessengruppen zu vermuten?
Potsdam, 21.02.2009
Klaus Mücke

 

Pressefreiheit!?
"Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten. "
Paul Sethe, Hamburg, 05.05.1965

 

Der von allen guten Geistern freie Markt
Der von allen guten Geistern freie Markt kennt keine Grenze, keine Rücksicht und keine Moral. Es sei denn die am Marktgeschehen teilnehmenden Menschen - die Kund/inn/en - nehmen ihren Einfluss durch ihr Konsumverhalten entsprechend wahr und die Staatsbürger/innen dringen in Nichtregierungsorganisationen, Bürgerinitiativen aber auch politischen Gremien darauf, dass sich nicht die Menschen vom freien Markt bestimmen lassen, sondern darauf achten, dass der freie Markt eine ökologische und soziale Grenze erhält und damit zu einem hilfreichen Instrument menschlicher Selbstentfaltung wird. Der freie Markt kann nicht das Ziel sein. Der freie Markt ist nur ein Mittel zum Zweck menschlicher Selbstentfaltung.
Potsdam, 21.02.2009
Klaus Mücke

 

Eine lebensrettende Szene
In dem sehenswerten Film "Vitus" des schweizer Regisseurs Fredi M. Murer, der von einem extrem früh auf Leistung trainierten Jungen handelt (biologistische Konzepte und Apologet/inn/en des Elite-Denkens sprechen in einem solchen Zusammenhang von Wunderkind und Hochbegabung), wird eine Szene gezeigt, die mich sehr bewegte und die – würde sie zu einer selbstverständlichen Lebensweisheit – vielen Menschen extreme Gewissensnöte und Kummer ersparen und den anderen das Leben retten könnte. Wenn Menschen das Gefühl haben, sie könnten ohne einen anderen Menschen nicht leben, und dann den von ihnen geliebten Menschen mit Selbstmorddrohungen an sich binden möchten, wäre es ratsam, sich so zu verhalten, wie die 19jährige Isabel dem 12jährigen Vitus gegenüber:
Vitus, der seine ehemalige Babysitterin, Isabel, zu einem opulenten Mal in einem Edelrestaurant eingeladen und ihr gerade einen Diamantring verehrt hat, offenbart ihr seine Liebe. Isabel kann seine Gefühle jedoch nicht erwidern und so setzt er nach und beteuert: "Ohne dich kann ich nicht leben!", was ja nichts anderes als eine verschleierte Selbstmorddrohung darstellt. Isabel erwidert darauf spontan und treffend: "Dann muss ich dir jetzt beweisen, dass du das kannst. Ciao!"
Isabel geht.
Berlin, 14.02.2009
Klaus Mücke

 

Die Liebe ist ein Kind der Freiheit
Ein Mensch, der in einer Liebesbeziehung mit Gewalt, Mord- oder Selbstmorddrohungen den anderen an sich binden möchte, tötet augenblicklich die Liebe und die Beziehung ist im Grunde beendet.

 

Liebe lässt sich nur verschenken
Die Liebe ist das einzige Gut, das vollkommen wertlos wird, wenn man es kauft.
Berlin, 14.02.2009
Klaus Mücke



Demokratie findet woanders statt
Heute berichteten mehrere Tageszeitungen, dass das Volksbegehren gegen die "Aufschließung" weiterer Tagebaureviere (also gegen das Wegbaggern dreier Dörfer und grüner Landschaften) gescheitert sei, weil nur 25.168 gültige Unterschriften zusammengekommen seien (80.000 Unterschriften hätten für ein Volksbegehren erreicht werden müssen).
    Nach einer von greenpeace in Auftrag gegebenen und von emnid durchgeführten Umfrage sind allerdings rund 70 % aller Brandenburger gegen eine solche widersinnige Zerstörung der Landschaften, die den zukünftigen CO2-Ausstoß erhöht. 
    Als ich erfahren habe, dass ich in das zuständige Meldeamt gehen muss, um meine Unterschrift zu leisten, war mir eigentlich schon klar, dass unter solchen Bedingungen, die sicherlich nicht nur mir eine Stunde meiner Lebenszeit gestohlen haben, kaum ein Volksbegehren eine Chance hat.
    Wenn der amtierende SPD-Ministerpräsident von Brandenburg Matthias Platzeck das Scheitern dieses Volksbegehrens als "Unterstützung für die Energiepolitik der Landesregierung" missdeutet, frage ich mich, welches Demokratieverständnis hinter einer solchen Aussage steckt.
    Mich erinnert dieses Vorgehen an den grandiosen Beginn von "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams - Zur Erinnerung: Der Antiheld des Romans, Arthur Dent, wacht eines Morgens auf und stellt fest, dass sein Haus weggebaggert werden soll, um einer Umgehungsstraße zu weichen. Ihm wurde mitgeteilt, dass diese Pläne schon seit neun Monaten im zuständigen Planungsbüro bzw. im unbeleuchteten Keller desselben auslagen, wovon ihm aber niemand etwas zuvor mitgeteilt hatte.
    Zu allem Überfluss erhält Arthur Dent wenig später die Nachricht vom Galaktischen Hyperraum-Planungsrat der Vogonen, einer außerirdischen Zivilisation, dass die Erde einer Hyperraum-Expressroute Platz machen müsse und deswegen gesprengt werde. Als sich daraufhin Panik bei den Erdenbewohner/ inne/n einstellt, stellen die Vogonen lakonisch fest: "Es gibt überhaupt keinen Grund, dermaßen überrascht zu tun. Alle Planungsentwürfe und Zerstörungsanweisungen haben fünfzig Ihrer Erdenjahre lang in Ihrem zuständigen Planungsamt auf Alpha Centauri ausgelegen. Sie hatten also viel Zeit, formell Beschwerde einzulegen, aber jetzt ist es viel zu spät, so ein Gewese darum zu machen" (Adams 1981, S. 37f).
   
Da kann ich jetzt nur der Landesregierung den Tipp geben, bei der nächsten Sammlung von Unterschriften für ein Volksbegehren die entsprechenden Listen auf der ISS auszulegen.
Potsdam, 11.02.2009
Klaus Mücke